Dunkle Tage

Dunkle Tage

 

Seit Stunden sitze ich auf diesem Stuhl und ertrinke in meinen Gedanken. Ich schließe die Augen, mein Kopf ist schwer.

 

Ich erinnere mich an die Momente, in denen du alle deine Sprachen in meine Ohren geflüstert hast und ich mich in Sicherheit wog. All die Sprachen, die so neu waren, aber doch zugleich so bekannt und vertraut.

Aber schon nach ein paar Tagen mit dir, viel zu schnell und viel zu früh, überkam mich die Frage, was passieren würde, wenn ich falle.

Diese Frage schrie lauter als alle anderen Gedanken im Herzen und Gefühlen im Kopf. Eine einfache, kleine Frage und doch so laut, dass ich durch sie in den falschen Weg abbog und dich direkt aus den Augen verlor. Um dich wieder zu finden, malte ich mich in Farben, die mich gar nicht zeigen. Ich verschwand hinter einer Wand aus zu vielem, einer Wand aus allem, außer mir selbst. Ich versuchte wieder hervor zu kommen und meine Worte machten sich auf die Suche. Aber meine Sätze bauten eine Mauer um mich herum und meine Angst zog sie mit Stacheldraht noch höher.

 

Ich versuchte, dir Erklärungen zu geben, in der Hoffnung, dass du verstehst.

Du verstandest nicht.

Die unwichtigen Dinge und alten Geschichten wogen für dich schwer.

Viel schwerer als das Leichte, das Neue.

Du schautest zurück und nicht nach vorn, aber ich konnte es dir nicht verübeln.

Vielleicht weil ich tief innen drin wusste, dass du nicht anders kannst.

Dennoch verrannte ich mich in den Straßen der Hoffnung, aber bog immer wieder falsch ab.

Ich hoffte, dass dein Herz klug genug ist, und die Hoffnung wuchs, größer als sie je war. Aber du ließest mich die Winzigkeit ihrer selbst spüren.

Es war als hättest du mich gehört, aber bist trotzdem taub, als hättest du mich gesehen, aber bist trotzdem blind für alles was sein kann.

 

Ich machte die Musik lauter, damit ich nicht hören konnte, wie es zerbrach. Doch die Stille der Nacht war ehrlich und nach dem Erwachen aus den schlaflosen Nächten blieb es dunkel. Die düsteren Tage zogen unschuldig an mir vorbei und taten so als wäre es nichts.

Ich zog den Reißverschluss meiner Jacke höher, um mich zu schützen, aber was nützt es, wenn die Kälte unter der Kleidung ist. Die Leere im Bauch, das Brennen in den Augen und der volle Kopf machen das pochende Herz nicht wieder warm.

 

Im Leben nehme ich alles, was ich greifen kann.

Aber worum es ging begreife ich erst jetzt:

„What if I fall?" „Oh but my darling, what if you fly?“

 

Ich stehe auf und gehe los, laufe, falle, stehe wieder auf und renne weiter, tanze und weiß sicher, dass ich fliegen werde.

 

Ich drehe mich noch einmal um, aber die Tage werden heller und ich kann nicht anders als wieder nach vorn zu schauen.

Der Frühling schaut um die Ecke und blinzelt in manchen Stunden dem Winter zu.

Ich bleibe stehen, lege den Kopf in den Nacken, werfe einen Blick in den Himmel, halte den Atem an und merke, dass schon überall in der Luft ein bisschen Sommer ist.

 

vielleicht ohne dich.

vielleicht mit dir.

 

Das Leben ist wie ein unbekanntes Gebiet und wir haben weder Karte noch Kompass. Manchmal kann man seine eigenen Hände vor lauter Nebel nicht mehr sehen und verliert sich. Manchmal hat man eine wundervolle weite Sicht und der Weg scheint wie scharf gezeichnet. Aber am Ende kann man soweit schauen, wie man möchte und sieht dennoch nichts außer seine eigenen Träume.

Denn das Leben weiß was es tut und hat seinen eigenen geheimnisvollen fabelhaften Plan.

 

 

 

 

Für Marlon, März 2016

 

 

 

 

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