An diesem Tag

AN DIESEM TAG

 

An Tagen, die nach schlaflosen Nächten beginnen, ist es nie das Erwartete, was kommt.

Diese Tage scheinen wie alle anderen, doch es kommt nur das vorbei, auf das niemand wartet.

 

An diesem Tag werde ich hier aus meinem ersten Buch vorlesen.

Ich werde erzählen und nicht wissen wer mir zuhört.

Erzählen von der Zeit die mich soweit gebracht hat, dass ich bin wovon ich geträumt habe.

 

Es ist, als ob dieser Tag den Atem anhält und wartet. Wartet, dass irgendetwas passiert.

 

Ein Tag der schien wie jeder andere. Vor 20 Jahren.

An diesem unschuldigen Novembertag hast du ohne zu fragen alles für immer verändert.

Und der Himmel schaute zu als wäre nichts geschehen.

 

Ich fing an zu schreiben. Ich schrieb an dich.

Meine Wut. Meine Enttäuschung. Meine pochenden Fragen im Kopf.

Ich schrieb weil du nicht da warst.

Ich schrieb alles auf in dieses verhasste, heißgeliebte Buch. Mein Buch an dich.

Ich schrieb über all die kleinen Dinge, die am Ende so groß werden, dass sie einen zerreißen,

wenn man jemanden vermisst.

Ich schrieb dir mein Leben. Meine Leben ohne dich. Damit du nicht alles verpasst.

Den gebrochenen Arm, die erste Klaviervorführung, die neue Schule.

Du warst nicht da als ich mit der ersten 5 in Mathe nach Hause gekommen bin

und mit dem ersten Liebeskummer.

Mit meinem ersten Freund, der mich immer wieder verlassen hat, kopierte ich nur dein Weggehen.

Ich schrieb über alles was ich greifen konnte, dazu alles was ich nicht begreifen konnte.

Und ... mit der Zeit begriff ich.

 

Ich kämpfte nicht mehr gegen Dinge an, die ich nicht ändern konnte.

Ich verlor meine Wut und fand Dinge, die mich glücklich machten.

Schöne Dinge, die einfach so da waren und ich vorher nicht gesehen habe.

Ich fand meinen Weg. Meinen Weg ohne dich.

 

Ich trag die Erinnerung an dich in meiner Haut, dein Lachen auf meinen Händen und deine Geschichten in meinen Ohren. Wenn ich nicht schlafen konnte hast du mir das Blaue vom Himmel erzählt und das Meer ist so magisch weil du mir erklärt hast wie unendlich groß und tief es ist. Du hast mir soviel mitgegeben.

 

Und auch dein Geschenk, mein Tagebuch hat mich auf den Weg zu meinem ersten Buch gebracht.

 

Manchmal wenn die Musik ganz laut ist und die Augen ganz zu,

dann stell ich mir vor, dass du da bist.

Und du fragst nicht nach dem Gestern, du fragst nur nach dem Morgen.

 

 

Für Papa, Juni 2013

Danke an Lena Rheinhardt für die Inspirationen

 

 

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